Reportage

Ein Blick auf Kalimantan Barat

Es findet sich in der Hälfte aller verpackten Waren, die wir kaufen. Der weltweite Verbrauch von Palmöl wächst schnell, doch die Kosten für die Umwelt sind hoch.

40 Prozent des weltweit hergestellten Palm- und Palmkernöls stammen von Kleinbauern, viele davon in Indonesien. Ihnen zu helfen, Ölpalmen anzubauen, ohne dabei der Umwelt zu schaden, wird große Auswirkung haben.

Kalimantan Barat ist ein Gebiet mit sumpfigen Tiefebenen, Flüssen und Wäldern im indonesischen Teil der Insel Borneo. Es liegt auf dem Äquator und die meiste Zeit des Jahres ist es dort heiß und feucht – eine ideale Umgebung für den Anbau von Ölpalmen, der Pflanze, aus der Palmöl und Palmkernöl gewonnen wird. Dort leben und arbeiten Petrus Purba und Suwarni mit ihren Familien. Suwarni ist Bäuerin. Sie zapft neben dem Ölpalmenanbau auch Naturkautschuk und arbeitet halbtags in einer örtlichen Vorschule. Purba ist Schulungsleiter bei der „Farmers’ Field School“. Der Absolvent der landwirtschaftlichen Berufsschule in Sintang baut Ölpalmen auf seinem 3,5 Hektar großen Land an. Das ist eine übliche Größe für viele örtliche Kleinbauern.

Früchte ernten

Indonesien ist der führende Palmölhersteller der Welt. Erst kürzlich hat das Land Malaysia überholt. Ein schneller Anstieg der internationalen Nachfrage in den vergangenen Jahrzehnten hat die Ölpalme für Bauern attraktiv gemacht. Inzwischen erzielt diese in der indonesischen Wirtschaft die höchsten Exporteinnahmen. Sie hat 2016 rund 18 Milliarden $ beigesteuert und bietet Millionen von Indonesiern Arbeit. Mehr als 10 Millionen Hektar des Landes sind inzwischen mit Ölpalmen bepflanzt.

Ich bin stolz, dass ich meinen Kindern und meiner Familie jetzt ein gutes Leben bieten kann.“

Suwarni

Kleinbäuerin, Indonesien

Für eine Kleinbäuerin wie Suwarni kann dies einen großen Unterschied beim Lebensstandard der Familie ausmachen. „Meine Eltern sind Bauern, aber sie bauen Gemüse an. Ich habe den Unterschied zwischen den Pflanzen gesehen und war mehr an Ölpalmen interessiert“, sagt sie. „Die Erträge sind rentabler und jedes geerntete Bündel frischer Früchte bedeutet sichere Einnahmen. Aber man braucht Entschlossenheit, um Erfolg zu haben.“

Für viele Bauern in Indonesien sind Ölpalmen Neuland. Ihnen fehlt das Fachwissen für einen effizienten Anbau, da sie vorher Kautschuk oder Reis angebaut haben. Zu lernen, wo und wie gepflanzt und wann und wie gedüngt werden sollte, bringt den Kleinbauern sofort spürbare Vorteile wie höhere Erträge und zusätzliche Gewinne.

Alle profitieren: Wie kann man Kleinbauern helfen, ihr Auskommen zu verbessern, und gleichzeitig Wälder und Artenvielfalt schützen?

Gute landwirtschaftliche Praxis:
Durch bessere agrarwissenschaftliche Kompetenz und mehr Wissen über Nachhaltigkeit werden sich die Bauern des Werts der Artenvielfalt und Wälder stärker bewusst.

Steigerung des Ertrags:
Bauern können die Qualität und Höhe des Ertrags steigern durch Zugang zu besseren Jungpflanzen, Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie dem Wissen, wie man diese einsetzt.

Aufklärung:
Kleinbauerngemeinschaften brauchen leichten Zugang zu Fachwissen, Marktinformationen und Infrastruktur für nachhaltige Praktiken.

Finanzielle Schulung und Zugang zu Finanzprodukten:
Den Umgang mit Geld und die verantwortungsbewusste Verwendung von Finanzprodukten und -dienstleistungen zu erlernen, ermutigt die Bauern, für eine Wiederaufforstung zu sparen.

RSPO-Zertifizierung:
Gruppen mit Kleinbauern zu bilden und diese bis zur Zertifizierung zu unterstützen, steigert das Einkommen und mindert die Gefahr für Abholzung.

Bewährte Methoden erlernen


Petrus Purba aus Belitang Hulu ist Schulungsleiter der „Farmers’ Field School“ und baut selbst Ölpalmen an.

Eine entsprechende Schulung bietet Purba an. Die „Farmers’ Field School“ ist Teil eines von BASF in Zusammenarbeit mit dem Konsumgüterunternehmen Henkel und der Entwicklungsorganisation Solidaridad unterstützten Projekts. Die Ausbilder werden von der örtlichen Genossenschaft „Credit Union Keling Kumang“ beschäftigt, die mehr als 160.000 Mitglieder hat. Der Schwerpunkt liegt nicht nur auf einer effizienten Produktion. Ebenso wichtig sind Methoden der nachhaltigen Landwirtschaft, die Arbeitsgesundheit und Sicherheitsstandards. Den Bauern wird beigebracht, wie sie ihr Land besser nutzen können, anstatt neue Plantagen zu eröffnen. Sie lernen mehr über die Rolle, die Wälder und Torfmoore für die Tier- und Pflanzenwelt, die Ureinwohner und die Umwelt spielen, sowie über die gesamte Palmöl-Lieferkette. Das endgültige Ziel besteht darin, dass Kleinbauern wie Suwarni die nachhaltigen Methoden übernehmen, die ihnen die RSPO-Zertifizierung ermöglichen. Es ist kostspielig und schwierig, die komplizierten Anforderungen dafür zu erfüllen. Daher ist Unterstützung gefragt.

Das Projekt erreicht derzeit ungefähr 5.500 Bauern in Indonesien. Die Schulungen finden auf dem Feld statt. Die Bauern können über die Probleme sprechen, die ihnen Sorgen bereiten. „Sie stellen viele Fragen zur Düngung und zur Auswahl des Saatguts“, so Petrus. Er hat selbst die „Farmers’ Field School“ besucht, bevor er Ausbilder geworden ist. „Ich möchte andere Bauern dafür ausbilden, Ölpalmen anzubauen. Ich möchte, dass alle gute Erträge haben, weil Ölpalmen hier der wichtigste Rohstoff sind“, meint er.

40Kilogramm Öl
Diese Menge wirft ein Palmbaum jedes Jahr ab. Die Frucht kann alle zehn Tage geerntet werden und jede Frucht enthält 30 bis 35 Prozent Öl.

Interview mit Suwarni – Palmöl-Bäuerin in Kalimantan Barat/Indonesien

Für Suwarni liegen die Vorteile auf der Hand: „Früher haben wir alle sechs Monate gedüngt. Jetzt wissen wir, dass wir es alle drei bis vier Monate tun sollten. Wir haben gelernt, dass wir zur Kostensenkung und zum Schutz der Umwelt das Pflanzenschutzmittel nur entlang der Erntegasse und nicht auf dem ganzen Gebiet versprühen müssen. Ich kann die Einsparungen schon erkennen“, erklärt sie.

Die Ölpalmenbranche ist hier willkommen, solange die Umwelt geschützt wird.“

Petrus Purba

Petrus Purba

Schulungsleiter bei der „Farmers’ Field School“

„Bei den Kleinbauern handelt es sich meistens um Familienbetriebe. Das sind Unternehmer, die nützliche Informationen suchen, um ihr Geschäft so aufzubauen, dass sie ihr Auskommen verbessern und ihren Kindern den Schul- und Universitätsbesuch ermöglichen können. Sie wünschen sich wahnsinnig stark, dass es funktioniert“, so Xavier Susterac, Senior Vice President BASF Personal Care Europe. „Wir müssen sie dabei unterstützen, nachhaltige landwirtschaftliche Methoden einzuführen. Mit der RSPO-Zertifizierung können sie zu einem wichtigen Teil der künftigen nachhaltigen Lieferkette werden.“ Suwarni fasst die Motivation für sich und die anderen Kleinbauern zusammen: „Früher gab es Zeiten, in denen das Essen knapp war. Jetzt können wir unsere Familie versorgen. Mein Traum ist es, dass meine Kinder ein besseres Leben führen als ihre Eltern.“

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